Treffen mit der Gründerin von Thoughts of September | Musablog – Musacé

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"Ich sehe die Lösungen mehr als das Problem selbst": ein Treffen mit der Gründerin von Thoughts of September

 

Zippora ist die Gründerin von Thoughts of September, einer jungen Marke für umweltbewusste Lingerie aus der Schweiz. Als Schnitttechnikerin hat sie sich der Herausforderung gestellt, nachhaltige Wäsche zu entwerfen, die sowohl schön als auch bequem ist.

In diesem Interview erzählt sie uns von ihrem Alltag in ihrem Start Up, ihren Herausforderungen und ihren Ratschlägen als Unternehmerin.

Zunächst einmal: Wie bist du auf die Idee gekommen, Thoughts of September zu gründen?

Alles begann vor zweieinhalb Jahren. Ich arbeitete in der Bekleidungsentwicklung einer Sport Marke und führte gleichzeitig einen Blog über nachhaltige Entwicklung. Ich bewegte mich mehr und mehr in Richtung eines verantwortungsvollen Lebensstils: Ich ging von Zero Waste zu Minimalismus über, beschäftigte mich intensiv mit nachhaltiger Mode uns stellte meine Ernährung auf vegan um. Alles geschah Schritt für Schritt.

Eines Tages wollte ich mich nach umweltfreundlicher Unterwäsche umsehen, aber alles was ich fand, war weder bequem noch ästhetisch ansprechend. Im September 2018 hatte ich die ersten Ideen, und habe gleich einige Prototypen angefertigt. Schon im Dezember begann ich mit der Finanzierung des Projekts. Dann ging alles sehr schnell!

Wie hast du das Unternehmen in seiner Anfangszeit finanziert?

Ich habe im Dezember 2018 eine Crowdfunding-Kampagne organisiert. Das Ziel waren CHF 15'000, wir hatten Glück und sammelten fast CHF 17'000. Damit konnte ich die Maschinen und Rohstoffe für den Anfang finanzieren.

Was ist deine Rolle im Unternehmen?

Ich bin die Gründerin und ich habe zusätzlich Partner*innen, die mich in bestimmten Bereichen unterstützen. Am Anfang habe ich noch meist allein gearbeitet, aber dann wollten einige Leute aus meinem Umfeld beim Projekt mitwirken, so lief alles ganz natürlich ab. Heute versuche ich den überblick des Unternehmens zu behalten. Ich nähe aber auch einen Teil der Aufträge selbst, ich kümmere mich um die meisten Entwürfe und Muster, Materialbestellungen, die Website, E-Mails, soziale Netzwerke etc. Meine Aufgaben sind vielfältig und abwechslungsreich und ich würde meinen Job um nichts in der Welt tauschen wollen!

Du hast dich für eine Produktion in der Schweiz entschieden, gab es dabei irgendwelche Schwierigkeiten?

Die Wahl des Produktionsstandortes stellte sich zuerst gar nicht, da ich alles alleine zu Hause in Luzern produzierte. Bei der Vielzahl der Modelle und Größen wurde dies schnell zu einer komplexen Angelegenheit. Also beschloss ich, einen Teil der Produktion an jemanden zu delegieren, den ich kannte. Ich fragte sie an, ob sie mir helfen könne, und sie sagte sogleich zu, es ging so einfach!

In der Schweiz zu produzieren war für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich habe darin nie ein Problem gesehen. Ich sehe die Lösungen mehr als das Problem selbst. Wenn ich ein Modell erstelle und mir die erste Version gefällt, stelle ich mir nicht tausend Fragen, sondern validiere sie! Lohnt es sich, zehn zusätzliche Stunden für eine kleine Verbesserung zu investieren? Ich persönlich glaube das nicht. Du kannst so viel Zeit mit einem Modell verbringen, wie du willst, aber am Ende musst du den Schritt wagen und es auf den Markt bringen.

Du verwendest recycelte Stoffe aus Europa, förderst Vielfalt und Integration, produzierst ethisch in der Schweiz und hast ein Programm zur Förderung des Zugangs zu schöner Wäsche für alle. Ist es möglich da noch etwas besser zu machen?

Natürlich können wir uns immer noch verbessern! Bei den Stoffen würden wir uns wünschen, dass sie zu 100 % recycelt sind, aber leider gibt es das bei Spitzen noch nicht auf dem Markt. Wir freuen uns auf den technologischen Fortschritt, der uns noch mehr ökologische Stoffe bescheren wird. 
Einige Beispiele: Das Elastan in Tencel ist nicht recycelt, die Träger unserer BHs sind nicht vollständig recycelt und die Spitze ist nur teilweise recycelt. Wir treffen die bestmögliche Auswahl aus dem, was derzeit auf dem Markt ist.

Was ist der beste Rat, den du jemandem geben könntest, der ein Unternehmen gründen möchte?

"Just do it". Das mag selbstverständlich klingen, aber zu viele Menschen haben eine Idee, trauen sich aber nicht, sie zu verwirklichen. Tun es einfach, frage herum, was die Leute von deiner Idee halten. Gehe Schritt für Schritt, Etappe für Etappe und mach immer weiter.

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Gab es einen Moment, in dem sich die Dinge für Thoughts of September plötzlich beschleunigten?

Nein, es gab keinen großen Schritt, der alles verändert hat. Bei Thoughts of September gehen wir mit allem Schritt für Schritt. Zuerst erschienen wir in Zeitungsartikeln, dann verkauften wir in Pop-up-Stores, organisierten Veranstaltungen und Influencer sprachen über uns. Doch unser Erfolg kam auch durch die Mund zu Mund Propaganda, die beste Methode um bekannt zu werden. Wenn ein Kunde zufrieden ist, möchte er dies auch anderen mitteilen. Dies ist für uns die beste Anerkennung!

Wie hat sich die Covid-19-Krise auf dein Unternehmen ausgewirkt?

Die ersten zwei Wochen waren sehr schwer für mich. Ich saß auf meinem Sofa und fragte mich, wie ich das wohl überstehen würde. An dem Tag, an dem der Lockdown angekündigt wurde, feierten wir unser einjähriges Bestehen. Wir hatten einen Pop-up-Store in Zürich, der dann früher als geplant geschlossen werden musste.

Aber im Endeffekt bin ich fast dankbar dafür, dass dieser Impuls stattgefunden hat, denn viele Menschen wollten nun mehr lokal und nachhaltig einkaufen und kleine Unternehmen unterstützen.

Zum Abschluss: was sind deine nächsten Projekte mit Thoughts of September?

Es fällt mir schwer, langfristig zu denken, also arbeite ich im Moment daran, die letzten Aufträge vor meinem Urlaub zu erledigen. Im Moment konzentriere ich mich auf den Schweizer Markt, aber ich gehe Schritt für Schritt, in meinem eigenen Tempo, so wie ich es von Anfang an getan habe!

 

Entdecken sie die wundervolle Lingerie von Thoughts of September auf der Website thoughtsofseptember.com.

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